Bibliothek der DDR-Kinder- und Jugendliteratur eröffnet

Bibliothek der DDR-Kinder- und Jugendliteratur eröffnet

Bibliothek im Sprachladen
17.06.
Sprachladen (Wallstraße 11)
Angela Kludas, Martin Guttmann, Katja Rosenbaum
Angela Kludas, Martin Guttmann, Katja Rosenbaum
  • Angela Kludas, Martin Guttmann, Katja Rosenbaum
  • Michael Clegg
  • Bücher aus der Bibliothek

Das Stadt- und Brauereimuseum und die Stadtbibliothek Pritzwalk beteiligen sich an den “Sieben Künsten von Pritzwalk” mit dem Aufbau einer „Bibliothek der DDR-Kinder- und Jugendliteratur“ – das Ladengeschäft in der Wallstraße 11 soll nach der Idee von Katja Rosenbaum zum Lesesaal und zur Schreibwerkstatt für Jugendliche werden.

„Die Reise nach Sundevit“, „Käuzchenkuhle“, „Die Schwalbenchristine“ oder „Bootsmann auf der Scholle“ – wer in der DDR aufgewachsen ist, erinnert sich sofort an die Bücher, Erzählungen und vertrauten Figuren, die für mehrere Generationen das erste Leseerlebnis prägten.

Im Westen wie im Osten Deutschlands war die Kinder- und Jugendliteratur dabei großen Wandlungen unterworfen. Von Gehard Holtz-Baumerts “Alfons Zitterbacke” über Benno Pludras “Lütt Matten und die weiße Muschel” bis zu Christoph Heins “Das Wildpferd un- term Kachelofen” war es ein ebenso weiter Weg wie in Westdeutschland vom fantastisch- märchenhaften Abenteuerroman zum gesellschaftskritischen Problemjugendbuch.

Während aber im Westen die Klassiker der Kinder- und Jugendliteratur historisch weitge- hend ungebrochen überliefert werden können, sind sie im Osten viel stärker zu Zeugen einer historisch entrückten Alltagskultur und ihres nicht mehr existenten gesellschaftlichen Rahmens geworden. Sie erzählen nicht nur “zeitlos” Geschichten für Kinder, sondern sind auch Zugänge zur Kindheitsgeschichte der Eltern und Großeltern, über die sich zu verstän- digen eine generationenübergreifende Herausforderung geworden ist.

Als Beitrag zu Clegg & Guttmanns Projekt der “Sieben Künste von Pritzwalk” hat deshalb Katja Rosenbaum, Leiterin des Pritzwalker Stadt- und Brauereimuseums, unterstützt von der Leiterin der Stadtbibliothek, Angela Kludas, den Aufbau einer „Bibliothek der DDR- Kinder- und Jugendliteratur“ initiiert. Eines der Ladengeschäfte der “Sieben Künste”, der ehemalige Weinladen in der Wallstraße 11, soll in den kommenden Monaten zum Standort eines ständig anwachsenden Bibliotheksbestandes werden, für den die Pritzwalker, aber auch Unterstützer aus anderen Regionen Deutschlands um Buchspenden gebeten werden.

Der Laden soll mit Sitzmöglichkeiten und Tischen eine einladende Leseecke erhalten. Rosenbaum und Kludas wollen zunächst zwei Öffnungstage einrichten, daneben aber später auch Lesungen veranstalten und eine Schreibwerkstatt für Jugendliche initiieren. “Dabei könnten die heutigen Schüler selbst Prosatexte wie Erzählungen und Kurzge- schichten, aber auch Lyrik verfassen,” so Katja Rosenbaum, und dabei etwa Erlebnisse der Eltern- und Großelterngeneration verarbeiten und ihren eigenen Erfahrungen gegenüber- stellen.”

Die Ziele der Sammlung seien vielfältig, erklärt Rosenbaum: “Zum Einen sollen Litera- turbestände, die zunehmend weniger beachtet und oft auch aussortiert werden, für die Nachwelt gesichert und auch weiterhin zugänglich gemacht werden.” Zum anderen aber geht es um die Freilegung verschütteter Erinnerungen und damit um eine der Grundfragen des Projektes der Sieben Künste: Welche Identität haben wir, woher kommt sie? Aus welch- er alltäglichen Geschichte und aus welchen Geschichten ist Pritzwalk entstanden?

Nicht zuletzt sollen heutige Kinder, die die DDR nicht mehr aus eigenem Erleben, sondern nur aus – oft genug voneinander abweichenden – Erzählungen der Eltern, Großeltern oder Verwandten und dem offiziell vermittelten Geschichtsbild kennen, angeregt werden, sich anhand eines speziellen Aspektes mit dem Alltagsleben in der DDR zu beschäftigen.

“Das Projekt von Katja Rosenbaum und Angela Kludas zielt direkt auf den Kern der Sieben- Künste-Idee von Clegg & Guttmann”, meint dazu der künstlerische Leiter, Gerrit Gohlke. “Es geht uns nicht nur darum, dass die leeren Geschäfte nun plötzlich lebendig sind. Es geht auch um die für eine Stadt lebenswichtige Frage, was ihre Mitte ausmacht, wie sie selbst sich versteht. Dass die Vision einer lebendigeren Innenstadt mit der Frage nach der eigenen Geschichte beginnt, macht der Vorschlag glasklar deutlich”, so Gohlke, der sich besonders dafür begeistert, dass auch dieses Projekt auf Dauer angelegt ist und wie der in Gründung befindliche Verein der “Kunst Freunde Pritzwalks” nicht mit den Sieben Künsten enden wird.

 

 

Andreas König in der MAZ, 19.06.2014

http://www.maz-online.de/Lokales/Prignitz/Sieben-Kuenste-von-Pritzwalk-wollen-eine-Bibliothek-fuer-DDR-Kinder-und-Jugendliteratur-schaffen

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